Eine persönliche Entscheidung über Kinderfotos im Internet, Privatsphäre und darüber, was sich für mich richtig anfühlt.


Es gibt Entscheidungen, die trifft man nicht von heute auf morgen.


Man denkt darüber nach. Man beobachtet. Man liest. Man spricht mit anderen darüber. Und irgendwann merkt man, dass ein Gedanke immer wieder zurückkommt. Genau so war es bei mir.


Ich habe mich dazu entschieden, in Zukunft keine vollständig erkennbaren Kindergesichter mehr auf meiner Website und meinen öffentlichen Social-Media-Kanälen zu zeigen.


Diese Entscheidung ist mir nicht ganz leichtgefallen.

Denn als Familienfotografin liebe ich echte Momente. Ich liebe Kinderlachen, kleine Grimassen, verschlafene Blicke und dieses ganz besondere Leuchten in den Augen, das man manchmal nur für einen kurzen Augenblick einfangen kann.

Natürlich sind gerade diese Bilder wunderschön. Und natürlich sind sie auch für mein Portfolio wertvoll.


Trotzdem fühlt es sich für mich inzwischen richtig an, hier eine Grenze zu ziehen.

Nicht, weil ich andere Eltern davon überzeugen möchte, es genauso zu machen.

Nicht, weil ich plötzlich weniger gerne Kinder fotografiere.

Und auch nicht, weil ich glaube, dass man Kinder aus dem Internet vollständig fernhalten kann.


Sondern aus einem ganz persönlichen Grund:

Denn nur weil ich ein Kinderfoto zeigen darf, heißt das für mich noch lange nicht, dass ich es auch zeigen möchte.


Eine Entscheidung, die bei mir als Mama begonnen hat


Vielleicht ist der wichtigste Grund für diese Entscheidung sogar der persönlichste. Ich bin selbst Mama einer Tochter.

Und irgendwann habe ich angefangen, mir die Frage zu stellen:

Würde ich ein Bild meiner eigenen Tochter öffentlich im Internet zeigen?

Meine ehrliche Antwort darauf ist: Nein.


Ich fühle mich nicht wohl bei dem Gedanken, dass ein Foto meines Kindes öffentlich zugänglich ist. Dass Menschen, die ich nicht kenne, es anschauen können. Dass es gespeichert, weitergeschickt oder an einem anderen Ort wieder auftauchen könnte.


Und je länger ich darüber nachgedacht habe, desto schwieriger wurde für mich die Vorstellung, bei den Kindern anderer Familien eine andere Grenze zu ziehen. Denn natürlich könnte man sagen:

„Aber wenn die Eltern das erlauben?“

Oder:

„Sieh es doch als deine Arbeit.“

Diese Sätze sind tatsächlich schon von Freunden gekommen.

Und ich verstehe den Gedanken dahinter.


Natürlich hole ich die Zustimmung der Eltern ein, bevor ich Bilder veröffentliche. Natürlich ist diese Zustimmung wichtig. Und natürlich ist es Teil meiner Arbeit, Bilder für meine Website und mein Portfolio auszuwählen.

Ich kann es nicht einfach als „Arbeit“ betrachten


Wenn mir eine Familie ihr Kind anvertraut, sehe ich darin nicht einfach ein schönes Motiv für mein Portfolio.

Ich sehe ein kleines Individuum mit einer eigenen Persönlichkeit. Einen Menschen, der selbst noch gar nicht entscheiden kann, welche Bilder von ihm in einigen Jahren öffentlich im Internet zu finden sein sollen.


Und genau dieser Gedanke beschäftigt mich. Denn heute entscheiden die Eltern.

Aber irgendwann wird aus diesem kleinen Kind ein Teenager und später ein erwachsener Mensch.

Vielleicht findet es das Bild dann wunderschön. Vielleicht ist es ihm völlig egal. Vielleicht möchte es aber auch irgendwann nicht, dass genau dieses Foto öffentlich im Internet zu finden ist.

Und dann können wir die Zeit nicht zurückdrehen. Ich möchte deshalb lieber heute vorsichtiger sein.

Was sich bei euren Fotos verändert – und was nicht


Ganz wichtig ist mir:

Bei eurem Shooting selbst ändert sich nichts.


Eure Kinder dürfen weiterhin lachen, toben, kuscheln, tanzen, Quatsch machen und einfach sie selbst sein.

Ich möchte weiterhin all diese Momente fotografieren.

Ich möchte weiterhin ihre Persönlichkeit festhalten.

Und natürlich entstehen während eines Familienshootings auch Bilder, auf denen eure Kinder ganz wunderbar zu erkennen sind.

Diese Bilder gehören euch.

Sie sind eure Erinnerungen.

Ihr bekommt eure persönliche Galerie wie gewohnt mit den Bildern, die für euch ausgewählt wurden.


Nur öffentlich werde ich diese Bilder nicht mehr zeigen.

Für meine Website und meine Social-Media-Kanäle werde ich bewusster auswählen.


Diese Entscheidung ist kein Urteil über andere Eltern


Mir ist an dieser Stelle etwas besonders wichtig. Ich möchte niemandem sagen, dass die eigene Entscheidung falsch ist.

Jede Familie darf selbst entscheiden, welche Bilder sie teilen möchte. Manche Eltern fühlen sich vollkommen wohl damit, Bilder ihrer Kinder zu veröffentlichen. Andere möchten das nicht. Und beides darf sein.


Ich möchte auch niemandem Angst machen oder behaupten, dass man mit einem Kinderfoto im Internet automatisch etwas Falsches tut. Das hier ist keine allgemeingültige Regel. Es ist meine persönliche Entscheidung. Eine Entscheidung, die sich aus meinen eigenen Werten entwickelt hat. Und aus der Tatsache, dass ich inzwischen nicht mehr nur als Fotografin darüber nachdenke, sondern auch als Mama. Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem sich meine Sicht verändert hat.

Vielleicht bedeutet weniger Sichtbarkeit nicht weniger Wert


Natürlich weiß ich, dass ein Portfolio mit lachenden Kindergesichtern auf den ersten Blick vielleicht leichter funktioniert. Ein Gesicht zieht Aufmerksamkeit auf sich, schafft sofort eine Verbindung und gerade in der Familienfotografie sind diese Bilder unglaublich emotional.


Natürlich bedeutet meine Entscheidung deshalb auch, dass ich manche meiner schönsten und emotionalsten Bilder nicht öffentlich zeigen können werde. Gerade die Bilder, auf denen ein Kind direkt in die Kamera lacht und man all die Emotionen in seinem Gesicht sehen kann.


Aber damit kann ich leben.

Denn wenn ich mich mit meiner Entscheidung wohler fühle, ist mir das wichtiger als das perfekte Portfolio.

Und gleichzeitig möchte ich darauf vertrauen, dass meine Bilder auch so ihren Weg nach außen finden. Durch Menschen, die meine Arbeit sehen und fühlen, durch persönliche Empfehlungen und vor allem durch ganz viele Herzensempfehlungen.


Ich glaube daran, dass die Familien, die zu mir passen, nicht nur wegen eines einzelnen schönen Kinderportraits zu mir finden, sondern wegen der Art, wie ich Familien fotografiere und begleite.

Und wenn ich dafür manchmal ein besonders schönes Bild nicht öffentlich zeigen kann, dann ist das für mich völlig in Ordnung.


Und hier ein paar Inspirationen zu Faceless Posen, die ich alle sehr liebe und fühle.

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